Die Ahauser Nothilfe erfährt Unterstützung beim unermüdlichen Kampf gegen das Elend in Rumänien

Bereits zum zwanzigsten Mal organisierte Ralf Düesmann, der 1. Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Ahauser Nothilfe e.V., einen Hilfstransport nach Rumänien, diesmal mit engagierter Unterstützung von Marc Bennink, Geschäftsführer der Spedition DriveServ Transports aus Ahaus und Hermann Piehler, Prokurist der Spedition Hoeper aus Oeding. „Wir hatten das unglaubliche Glück, einen 40-Tonnen-Lkw kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen“, erklärt Ralf Düesmann begeistert. Daher gab es im Vorfeld viel zu berücksichtigen. Ein kleinerer Lkw musste in Timisoara organisiert werden, da keine der Stationen mit einem so schweren Lkw angefahren werden konnte. Die Spenden konnten größtenteils erst nach einer Umladeaktion an ihren Bestimmungsort gebracht werden.

Die Idee zu dieser Fahrt entstand an Silvester bei einer Nachbarschaftsfeier. Die meisten Gäste kannten den Verein und wollten nun aus „erster Hand“ Einzelheiten erfahren. Da fahren wir beim nächsten Mal mit und schauen uns die Projekte vor Ort an, kam anschließend die Aussage von Marc Bennink mit einem Seitenblick auf seinen Freund Hermann Piehler. Wir hielten das für eine Bierlaune, erinnert sich Ralf Düesmann lachend. Aber Marc Bennink und Hermann Piehler hielten Wort und fanden nicht nur zwei Sponsoren, die bereit waren, kostenlos einen 40-Tonnen-Lkw zur Verfügung zu stellen, sondern auch viele Geschäftspartner und Bekannte, die Geld- und Sachspenden für die Verwirklichung dieses großen Projektes bereitstellten. Ein Lkw-Transport dieser Größenordnung bedeutet für Lkw-Miete, Gebühren, Maut und die Dieselkosten einen hohen Kostenaufwand. Geld, das Ralf Düesmann in den letzten Jahren lieber vor Ort in Rumänien für den Einkauf von haltbaren Lebensmitteln, Haushaltsgeräten, Möbeln oder Renovierungen investiert hat.

Auch seitens des Vereins, insbesondere durch Ralf Düesmann, wurden fleißig Sachspenden gesammelt. „Nach Gründung des Vereins im Jahr 1997 habe ich viele Kontakte zu namhaften, großen Firmen aufgebaut, auf die ich jetzt zurückgreifen konnte“, bemerkt er. So füllte sich die von ihm bereitgestellte Lagerhalle in nur wenigen Wochen mit Grundnahrungsmitteln, medizinischen Geräten und Arzneimitteln, Hygieneartikeln, Kleidung und Spielsachen. Nach mühevoller Sortier- und Vorarbeit und einer Gemeinschaftsaktion von vielen freiwilligen Helfern aus Familien- und Vereinsmitgliedern und dem Freundes- und Bekanntenkreis war die Lkw-Ladefläche innerhalb eines Nachmittags bis auf die letzten Zentimeter mit Sachspenden voll gepackt. Das Team hatte sichtlich viel Spaß bei der Packaktion, obwohl einige sich vorher noch gar nicht kannten.

Früh am nächsten Morgen ging es dann auf die lange Reise in die 1.700 km entfernte Stadt Timisoara. Seit Rumänien EU-Mitglied ist, hat sich die Lage an den Grenzen deutlich entspannt. Es gibt nur noch selten Kontrollen und glücklicherweise keine langen Wartezeiten mehr. Insgesamt hat sich seit der Revolution 1989 und dem Sturz Ceausescus die Lage auf den ersten Blick gebessert, aber unsere Konsumgesellschaft kann sich kein Bild davon machen, wie es noch heute dort ist. Ralf Düesmann kennt die Situation seit kurz nach der Grenzöffnung. Ganz im Gegenteil zu Marc Bennink und Hermann Piehler. Sie fuhren zum ersten Mal nach Rumänien und erlebten hautnah, wie die Situation wirklich ist. Besonders betroffen hat sie die Lage der Kinder gemacht.

„Die Zustände in Rumänien sind zum Teil auch heute noch verheerend“, weiß Ralf Düesmann und erläutert: „Die Kinderheime sind überfüllt, da es zu wenige Plätze gibt. Viele Mädchen bekommen viel zu früh ihr erstes Kind, das sie in einem Kinderheim zurücklassen.“ Ein weiteres, großes Problem sei, dass viele rumänische Eltern ins Ausland gehen, um dort zu arbeiten. Sie lassen ihre Kinder bei oft überforderten Verwandten oder Bekannten zurück und die Kinder werden schließlich in einem Heim abgegeben. Mangels staatlicher Unterstützung fehlt es an allem. Dinge, die für uns selbstverständlich sind, sind dort richtige Schätze.

Außerhalb der großen Städte sind die Zustände noch katastrophaler. Kinder wachsen in Armut oder gar auf der Straße auf und haben ohne Hilfe keine Zukunft. Viele dieser Kinder sind unterernährt und teilen sich in feucht-kalten Räumen zu zweit oder dritt ein Bett. Das jüngste Projekt der Nothilfe befindet sich in einem dieser vergessenen Dörfer. Der kleine Ort Bencec liegt etwa 20 Kilometer von Timisoara entfernt. Das erst im vergangenen Jahr fertiggestellte Gebäude beherbergt ein Kinderheim, eine Kindertagesstätte und einen Gemeinderaum. Etwa 10 Kleinkinder im Alter von ein bis sieben Jahren leben hier ständig. Viele der Dorfkinder kommen tagsüber zum Spielen und für eine warme Mahlzeit. Zunächst wurde das Projekt von den Dorfbewohnern skeptisch beäugt, doch langsam fassen die Menschen Vertrauen zu den Verantwortlichen. Die Heimleiter, das Ehepaar Flori und Gusti, selbst Eltern von zwei erwachsenen Kindern, betreuen außerdem das durch uns seit Jahren unterstützte Kinderheim Casa Sperantei. Einige Kinder, die dort aufgewachsen sind, gehen mittlerweile arbeiten oder machen eine Ausbildung. Sie wohnen teilweise in Wohngemeinschaften und bewältigen mit etwas Unterstützung ihren Alltag. Durch die langfristige Hilfe und Förderung haben die Kinder eine Zukunftsperspektive und Strukturen kennengelernt. „Sie haben es geschafft, der Armut zu entkommen und das wissen sie auch zu schätzen“, freut sich Ralf Düesmann.

Deshalb setzen wir auch weiterhin auf langfristige Hilfe, statt eines „Gießkannen-Prinzips“, sagt Ralf Düesmann und fügt hinzu: „Die Hilfe zur Selbsthilfe ist uns besonders wichtig, damit diese junge Generation eine bessere Situation in ihrem Land schaffen kann.“

Bei all unseren Stationen konnten auch Marc Bennink und Hermann Piehler die Freude und Dankbarkeit der Menschen spüren. Im Kinderheim Otniel, im Krankenhaus mit der Station für psychisch kranke Kinder und Jugendliche und der Kindertagesstätte Effata warteten bereits viele Helfer freudig gespannt auf unser Eintreffen. Im Krankenhaus erfuhren wir, dass trotz unserer Hilfe auch weiterhin Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen sowie Medikamente und Hygieneartikel dringend gebraucht werden. Die Gesundheitsversorgung ist mit unserer in Deutschland nicht vergleichbar. Viele der wenigen Mediziner wandern zudem auch noch aus dem bitterarmen Land ab, weil die Verdienstmöglichkeiten in Westeuropa einfach besser sind.

In Bencec waren alle angetan von der guten Laune und dem Tatendrang selbst der Kleinsten beim Abladen des Lkw. Die Freude über die mitgebrachten Süßigkeiten und Spielsachen ist nicht in Worte in zu fassen. Man muss mit eigenen Augen gesehen haben, wie glücklich Kinder über ein Stück Schokolade oder einen Teddybär sein können. In den zum Teil erbärmlichen Hütten in Bencec haben die meisten Fenster kein Glas, sondern höchstens Folie oder sind sonst notdürftig abgedichtet. Vor dem Winter haben die meisten Einwohner Bencecs jetzt schon Angst. Dass unterernährte Kinder ohne ausreichend warme Kleidung bis minus 30 Grad den Winter überstehen müssen, Unterkünfte ohne Wasser- und Stromversorgung und Öfen sind und wie Slums anmuten – in einem EU-Land – vermögen die beiden „Ersthelfer“ nicht zu verstehen. Betroffen von all den Eindrücken, sind wir uns einig darin:

Die Gesichter der Kinder, denen wir ein kleines Stück neue Hoffnung gebracht haben, entschädigt für alle Strapazen! Und auch für Marc Bennink und Hermann Piehler steht fest: Wir fahren im nächsten wieder mit nach Rumänien!

Die Ahauser Nothilfe erfährt Unterstützung beim unermüdlichen Kampf gegen das Elend in Rumänien

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